Ginas Tagebuch - Ich hätte so gern DSL

Haben Sie eigentlich schon DSL? Wir nicht. Zuerst fand die Telekom es nicht für nötig, uns Landeier mit Breitbandinternetzugängen auszustatten. Wofür auch? Was wollen wir denn auch im Internet? Wir sollen gefälligst Kühe melken, Schweine füttern, Eier einsammeln und Felder bestellen. Dass Dörfer nicht auf Landwirtschaft beschränkt sind, sondern seit Jahren verstärkt Firmen aufs Land ziehen, weil niedrige Gewerbesteuerhebesätze, freie Bauflächen und qualifizierte und motivierte Mitarbeiter, die das Pendeln in die nächste Stadt leid sind, echte Argumente für die Flucht aus den Städten bieten, hat sich noch nicht bis zur Telekom herumgesprochen. Seit einigen Monaten ist es jetzt soweit: Wir sind DSL-Gebiet! Gut, dass mit Hilti, ibis, Rational und dem ADAC echte Schwergewichte unsere ländliche Unternehmerlandschaft bereichern. Nicht lange gezögert und im Internet bestellt: 1x DSL 2000, 2x Flat inkl. VoIP, 1x TK-Anlage. Die Bestätigung kam drei Tage später, die Freischaltung sollte in zehn Tagen erfolgen. Flott, die Telekom! So dachte ich damals noch naiv. Während der folgenden Wochen und Monate ist viel Wasser den Lech hinuntergeflossen – und ich warte noch immer auf Freischaltung und Lieferung der Anlage. Angekündigte Liefertermine verstrichen ohne Kommentar. Gut, dass ich meinen ISDN-Zugang beharrlich nicht kündigen wollte, obwohl ich immer wieder per Brief und Anruf durch die Telekom praktisch dazu genötigt wurde! Die Telekom aber wirbt fleißig weiter, sammelt Bestellungen – und wütende Beschwerden enttäuschter (potenzieller) DSL-Kunden. Von Lieferschwierigkeiten will man nichts wissen, die Pressestelle gibt sich ahnungslos. Die Masse an Neukunden müsse eben abgearbeitet werden, das koste Zeit, meinte man lapidar. Das Problem ist nicht neu, es besteht seit einem guten Jahr. Man hat nichts gelernt, nichts geändert. Man hat ein Quasi-Monopol… Dass diese Alleinstellung bestehen bleibt, dafür sorgt die Telekom mittels intensiver Lobbyarbeit. Im Koalitionsvertrag auf Seite 18 stehen versteckt ein, zwei Sätzchen, das diese Arbeit belohnen: Die neue Regierung strebt „den weiteren Aufbau und Ausbau breitbandiger Telekommunikationsnetze“ an und wird, „um für den Investor die notwendige Planungssicherheit herzustellen“, die „entstehenden neuen Märkte von Regulierungseingriffen freizustellen.“ Das Ganze soll „für einen gewissen Zeitraum“ gelten. Heißt im Klartext, die Telekom behält ihr Monopol auf Telefonanschlüsse und Internetzugänge, Wettbewerber bekommen keinen Fuß in die Tür und ich bekomme kein DSL. Weder von der Telekom, noch von Arcor, 1&1, Freenet oder anderen Anbietern. Weil für deren Angebote die Telekom erst einen DSL-Anschluss freischalten muss. Nichts anderes will ich…

http://www.blog.de/main/index.php/ginastagebuch/ 2005/11/29/ich_hatte_so_gern_dsl~346478

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